3 Tage Great Ocean Road: Der ultimative Roadtrip entlang Australiens schönster Küste
Die Great Ocean Road. Schon der Name klingt nach Freiheit, nach Wind und nach dem salzigen Geruch des Südlichen Ozeans. Auf 243 Kilometern schlängelt sich eine der spektakulärsten Küstenstraßen der Welt entlang der Südküste Australiens – und wer sie einmal gefahren ist, versteht sofort, warum sie zu den schönsten Straßen unserer Erde gezählt wird.
Ich war selbst skeptisch, ob drei Tage für diesen ikonischen Roadtrip reichen würden. Die kurze Antwort: Ja – wenn du es richtig angehst. Hier ist mein detaillierter Plan für drei unvergessliche Tage auf der Great Ocean Road.
Bevor du losfährst: Das Wichtigste im Überblick
Startpunkt: Torquay (ca. 90 Minuten westlich von Melbourne)
Endpunkt: Warrnambool oder Rückkehr nach Melbourne
Beste Reisezeit: Oktober bis April (australischer Frühling/Sommer), wobei der März besonders empfehlenswert ist – weniger Touristenandrang, angenehme Temperaturen
Mietauto: Unbedingt in Melbourne buchen, Frühbucher-Rabatte sind erheblich
Budget: Circa 150–250 AUD pro Person und Tag (inkl. Unterkunft, Essen, Sprit)
Wichtiger Tipp: Fahre die Strecke von Ost nach West (von Torquay Richtung Warrnambool). So hast du die Küste immer auf der Fahrerseite – und damit die besten Ausblicke direkt vor dir.
Tag 1: Torquay bis Apollo Bay (ca. 110 km)
Morgen – Surfer-Kultur in Torquay
Beginne deinen Roadtrip dort, wo die Great Ocean Road offiziell beginnt: am Memorial Arch in Torquay. Dieses ikonische Eingangstor markiert den Startpunkt und ist Pflichtfoto Nummer eins.
Torquay selbst ist Australiens Surfer-Hauptstadt – Heimat von Rip Curl und Quiksilver, weltberühmt durch den Bells Beach, wo jedes Jahr die Rip Curl Pro stattfindet. Auch wenn du kein Surfer bist, lohnt sich ein kurzer Stopp: Die Wellen hier sind beeindruckend, die Stimmung entspannt und das australische Lebensgefühl greifbar.
Frühstück-Tipp: Das Blackman’s Brewery in Torquay serviert hervorragende Eggs Benedict – der perfekte Start in den Tag.
Vormittag – Lorne: Das Juwel der Great Ocean Road
Nach etwa 45 Minuten Fahrt erreichst du Lorne, und du wirst sofort verstehen, warum dieser Ort so beliebt ist. Umgeben vom Otway Nationalpark schmiegt sich das Städtchen an eine geschwungene Bucht mit weißem Sandstrand. Der Blick von der Hauptstraße hinunter zum Wasser gehört zu den schönsten Momentaufnahmen des gesamten Roadtrips.
Halte hier für mindestens eine Stunde:
- Erskine Falls: Nur 10 Minuten vom Ortszentrum entfernt, stürzt der Erskine River über eine 30 Meter hohe Steilkante. Ein kurzer Spaziergang durch Regenwald führt dich direkt ans Wasser.
- Kaffee und Kuchen im Lorne Beach Pavilion mit Meerblick – ein Muss.
Mittag – Kennet River: Koalas in freier Wildbahn
Einer der am besten gehüteten Geheimtipps der Great Ocean Road: Kennet River. Biege von der Hauptstraße in die Grey River Road ein und schau nach oben in die Eukalyptusbäume. Hier leben wilde Koalas in so hoher Dichte, dass du fast garantiert welche entdecken wirst – schlafend, fressend, manchmal sogar kletternd.
Dieser Ort ist pures Gold: kein Eintritt, keine Menschenmassen (zumindest unter der Woche), nur du und Australiens ikonischste Tiere in ihrer natürlichen Umgebung.
Nachmittag/Abend – Apollo Bay
Dein Ziel für die erste Nacht: Apollo Bay, ein verschlafenes Fischerstädtchen, das sich in einer breiten Bucht zwischen Hügeln und Meer kuschelt. Geh nachmittags an den Strand, schau den Pellikanen zu, und gönn dir abends frischen Fisch direkt vom Fischmarkt.
Übernachtung: Aire Valley Cottages (etwas außerhalb, dafür mit traumhaftem Meerblick) oder die zentraler gelegene Apollo Bay Hotel.
Abendessen: La Bimba – mediterrane Küche mit Meeresfrüchten vom Feinsten.
Tag 2: Apollo Bay bis Port Campbell (ca. 100 km, aber mit vielen Stopps)
Heute ist der König-Tag. Buckle up.
Morgen – Otway Nationalpark: In den Regenwald eintauchen
Verlasse die Küste kurz und tauche ein in den Great Otway Nationalpark – einen üppigen gemäßigten Regenwald, der sich wie ein grünes Dach über die Hügel legt.
Highlights:
- Cape Otway Lighthouse: Australiens ältester Festlandleuchtturm (1848) thront auf einer Klippe über dem stürmischen Ozean. Von hier aus könnt ihr zwischen Juni und September sogar Wale beobachten. Eintritt: 19,50 AUD.
- Maits Rest Rainforest Walk: Ein 45-minütiger Rundweg durch einen uralten Regenwald mit Baumfarnen, die bis zu sechs Meter hoch werden. Kostenlos, absolut traumhaft.
Geheimtipp: Halte die Augen offen für Emus und Wallabys entlang der Straße durch den Nationalpark – besonders am frühen Morgen sind sie aktiv.
Mittag – Die Küste kehrt zurück: Loch Ard Gorge
Zurück auf der Küstenstraße beginnt die Landschaft ihr wahres Gesicht zu zeigen. Die Loch Ard Gorge ist für mein Gefühl noch beeindruckender als die berühmteren Zwölf Aposteln – und viel weniger besucht.
Die Schlucht ist nach dem Clipper-Schiff Loch Ard benannt, das hier 1878 zerschellte. Von 54 Menschen überlebten nur zwei: eine 18-jährige Irin und ein gleichaltriger britischer Schiffsjunge. Die Geschichte ist bewegend, die Kulisse atemberaubend. Steige die Treppe hinunter bis zum türkisfarbenen Strand, der von fast senkrechten Kalksteinwänden eingerahmt wird.
Daneben lohnen sich:
- The Razorback: Eine messerscharfe Felsformation
- London Arch (früher London Bridge): Ein natürlicher Felsbogen, dessen mittlerer Teil 1990 kollabierte – während zwei Touristen darauf standen
- The Grotto: Ein rundes Loch im Fels, durch das man in eine türkisfarbene Bucht hinabschaut
Nachmittag – Das Highlight: Die Zwölf Apostel
Hier sind sie. Die Zwölf Apostel – das Aushängeschild Australiens und einer der meistfotografierten Orte der Welt. Tatsächlich stehen heute nur noch acht der einstmals zwölf Kalksteinfelsen (einer kollabierte 2005), aber das mindert ihre Wirkung kein bisschen.
Meine wichtigsten Tipps:
- Komm bei Sonnenuntergang. Das warme, goldene Licht lässt die orangefarbenen Felsen leuchten wie Lava – ein Anblick, den ich nie vergessen werde.
- Geh auf beide Seiten des Parkplatzes. Die meisten Touristen gehen nur auf die Ostseite. Die Westseite bietet gleich gute Ausblicke, aber deutlich weniger Gedränge.
- Nimm dir Zeit. Mindestens 45 Minuten solltest du einplanen, um beide Aussichtsplattformen zu erkunden.
- Früh morgens oder bei Sonnenaufgang ist ebenfalls traumhaft – und fast menschenleer.
Eintritt: kostenlos. Der Visitor Centre-Parkplatz ist gut ausgeschildert, ein Fußgängertunnel führt unter der Straße durch zum Aussichtspunkt.
Abend – Port Campbell
Übernachte im kleinen Port Campbell, direkt am Nationalpark. Das Städtchen hat vielleicht 300 Einwohner, aber alle nötigen Annehmlichkeiten für Reisende.
Unterkunft: Port Campbell Hostel (günstig, sozial) oder Southern Ocean Villas (für mehr Komfort)
Abendessen: Captain’s Table – solide Pub-Küche mit gutem australischen Craft Beer
Tag 3: Port Campbell bis Warrnambool (und zurück nach Melbourne)
Morgen – Warrnambool: Geschichte und Wale
Die letzte Etappe führt dich nach Warrnambool, der größten Stadt entlang der Great Ocean Road. Sie ist weniger touristisch als die anderen Stopps – und genau das macht sie charmant.
Pflichtprogramm:
- Flagstaff Hill Maritime Village: Ein lebendiges Freilichtmuseum mit einem rekonstruierten Hafenort aus dem 19. Jahrhundert. Besonders das Wrack der Loch Ard ist hier prominent präsentiert. Eintritt: 19,50 AUD – absolut lohnenswert.
- Logan’s Beach Whale Nursery: Von Juni bis September kommen südliche Glattwale hierher, um ihre Jungen zu gebären. Kein Touristenprogramm – nur du und Wale, die im flachen Wasser schwimmen. Kostenlos.
Mittag – Tower Hill Wildlife Reserve
Kurz vor Warrnambool liegt das Tower Hill Wildlife Reserve – ein uralter Krater, der heute ein Naturschutzgebiet ist. Hier lebst du kurz in der Urzeit: Emus laufen frei herum, Koalas schlafen in den Ästen, Kängurus springen durch das Gelände.
Der kurze Peak Climb Walk (45 Minuten, hin und zurück) führt auf den höchsten Punkt des Kraterrandes und bietet einen weiten Blick über die Vulkanlandschaft. Eintritt: kostenlos.
Heimweg nach Melbourne
Von Warrnambool aus hast du zwei Optionen für die Rückkehr nach Melbourne:
- Über den Princes Highway (direkt, ca. 3 Stunden): Schnellste Route, aber landschaftlich unspektakulär
- Zurück über die Great Ocean Road (ca. 4,5 Stunden): Von West nach Ost sieht alles nochmal ganz anders aus – ich empfehle diese Option, wenn du Zeit hast
Praktische Reisetipps
Was einpacken
- Lagen-Kleidung: Das Wetter kann sich schnell ändern, selbst im Sommer
- Sonnencreme: Australiens UV-Index ist brutal, auch an bewölkten Tagen
- Stabile Wanderschuhe: Für die kürzeren Spaziergänge an den Aussichtspunkten
- Kamera mit breitem Winkel: Für die Panoramaaufnahmen der Apostel
Fahren in Australien
- In Australien wird links gefahren – für Europäer ungewohnt, aber nach einer Stunde vergisst du es fast
- Geschwindigkeitslimits unbedingt beachten (Radarkameras sind zahlreich)
- Kängurus und andere Tiere auf der Straße – besonders in der Dämmerung und nachts ein echtes Risiko. Wenn möglich, nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr fahren.
Beste Fotozeiten
- Goldene Stunde morgens: Sanfte Stimmung, wenig Touristen
- Sonnenuntergang an den Zwölf Aposteln: Das absolute Highlight – plane deinen zweiten Tag so, dass du rechtzeitig dort bist
Fazit: Lohnen sich drei Tage?
Absolut. Drei Tage sind das Minimum für einen sinnvollen Great-Ocean-Road-Trip – aber sie sind ausreichend, wenn du fokussiert bleibst und nicht bei jedem kleinen Café haltst (obwohl… manchmal lohnt sich das). Wer mehr Zeit hat, sollte vier bis fünf Tage einplanen und tiefere Ausflüge in den Otway-Nationalpark wagen.
Aber ehrlich gesagt: Egal wie viel Zeit du hast – diese Straße wird dich beeindrucken. Das Rauschen des Ozeans, die orangefarbenen Klippen im Abendlicht, der Blick auf die Zwölf Apostel bei Sonnenuntergang… manche Orte rechtfertigen den Flug nach Australien von allein.
Die Great Ocean Road ist einer davon.
Hast du Fragen zu spezifischen Stopps oder brauchst du Hilfe bei der Planung? Schreib mir in den Kommentaren – ich helfe gerne!